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Um was Streiten sich Palästinenser*innen und Israelis?

Foto: Peace Counts
Der Fluss Jordan in Israel

Grenze: Ein wichtiger Konfliktpunkt ist der Streit um die Grenzziehung zwischen Israel und den Gebieten, in denen die Palästinenser leben. Die Grenzziehung, wie sie 1947 von der UNO vorgenommen wurde, hat sich bereits durch die Kriege weiter zu Ungunsten der Palästinenser verschoben. Die Palästinenser wünschen sich einen größeren Bereich, als der, der ihnen momentan zusteht. Palästinensische Gebiete sind der so genannte Gaza-Streifen im Westen und das Westjordanland an der Grenze zu Jordanien.

Das israelische Militär kontrolliert die Grenzübergänge zum Gaza-Streifen. Und auch im Westjordanland ist das israelische Militär sehr stark vertreten. Seitens Israels besteht die Befürchtung, dass ohne ihre militärische Kontrolle, die Palästinenser*innen erneut angreifen könnten. Die Palästinenser*innen hingehen fordern Kontrolle über ihr eigenes Land.
Innerhalb der palästinensischen Gruppen gibt es interne Machtkämpfe. Es gibt verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Ziele haben. Die wichtigsten sind die palästinensische Befreiungsorganisation (PLO). Sie vereinen als politische Dachorganisation verschiedene Gruppen. Die stärkste Gruppe in der PLO ist die Fatah. Eine andere wichtige Organisation ist die Hamas. Die Hamas ist aus der Muslimbruderschaft entstanden. Die palästinensischen Autonomiegebiete werden von zwei verschiedenen Parteien regiert. Der Gazastreifen wird von den Hamas regiert. Das Westjordanland wird von der Fatah regiert. Zudem sind der Gazastreifen und das Westjordanland seit 1967 unter israelischer Militärbesatzung.

Siedlungsbau: Im Westjordanland haben Israelis Häuser gebaut und ganze Dörfer errichtet. Man nennt sie Siedlungen. Israel vergrößert durch die Kriege seit 1917 sein Territorium und baut zudem auf palästinensischen Gebieten Siedlungen, die von vielen internationalen Beobachter:innen als illegal angesehen werden. Die Palästinenser*innen fordern einen sofortigen Stopp des Siedlungsbaus, als weiteren Schritt sogar den Abzug der Siedler aus dem Westjordanland. Bis heute wollen die geflüchteten Palästinenser*innen in ihre Städte und Häuser zurückkehren.  Viele Israelis spricht sich auch gegen die Siedlungen aus. Sie glauben, dass dies ein wichtiger Schritt in Richtung Frieden mit den Palästinenser*innen ist. Und doch konnte sich in den vergangenen 40 Jahren keine israelische Regierung an der Macht halten, die sich für einen Abzug der Siedler aus dem Westjordanland einsetzte. Nach internationalem Recht sind die israelischen Siedlungen auf palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

 

Jerusalem: In Jerusalem befindet sich die wichtigste religiöse Stätte der Juden. Man nennt sie bei uns Klagemauer und sie sind die Überreste eines Tempels, der während des römischen Reiches zerstört wurde. Juden aus der ganzen Welt gehen dorthin um zu beten. Außerdem leben hier sehr viele religiöse Juden. In Jerusalem leben aber auch viele Palästinenser. Auch für sie ist es eine besondere Stadt. Auf dem Berg, auf dem früher der jüdische Tempel stand, stehen heute wichtige muslimische Heiligtümer: Der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee. Beide sind schon viele hunderte Jahre alt und den Muslimen sehr heilig. Hier zu beten ist etwas Besonderes. Somit wollen beide Seiten Jerusalem für sich beanspruchen. Bislang ist die Stadt zweigeteilt.

 

Flüchtlinge: Weil Israel während der beiden Kriege 1948/49 und 1967 palästinensische Gebiete erobern konnte, gibt es ca. 5 Millionen palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen (die meisten leben im Westjordanland, Jordanien und im Libanon). Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen. Doch Israel stimmt diesem Recht nicht zu. Es gibt sogar die Forderung, den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festzuschreiben.

Wasser: Der Zugang zu Wasser ist ein weiterer wichtiger Konfliktpunkt. Denn die Region im Nahen Osten ist sehr trocken. Weil die Bevölkerung in Israel und den palästinensischen Gebieten immer weiter wächst, spitzt sich dieses Problem zu. Israel verwaltet die meisten Wasserquellen in der Region. Die Palästinenser*innen sind davon anhängig. So wird Wasser häufig auch als Druckmittel im Konflikt. Hinzu kommt, dass Palästinenser*innen die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurde. Und es gibt sehr ungleiche Versorgung mit Lebensmitteln, die den Konflikt weiter verstärken.

Religion: Ein weiterer wichtiger Aspekt im Konflikt ist auch, dass es zwei oder sogar drei verschiedene Religionen sind, die aufeinandertreffen: Das Judentum, der Islam und das Christentum. Unterschiedliche Bräuche, Traditionen und Festtage verschärfen oft die Ablehnung zwischen Palästinenser*innen und Jüd*innen.

Die Religion ist ein Grund im Konflikt. Viele Gebiete, vor allem die Stadt Jerusalem, haben für Muslim*innen, Jüd*nnen und Christ*innen eine wichtige religiöse Bedeutung. Extremistische religiöse Gruppen auf beiden Seiten nutzen die Religionsunterschiede teilweise zur Rechtfertigung ihrer gewaltsamen Handlungen.

Welche Möglichkeiten für Frieden gibt es?

Auf nationaler und internationaler Ebene:

Es gab in der Vergangenheit viele Versuche Frieden zu schaffen und den Konflikt zu beenden.

Es gab viele Treffen mit Politiker*innen, und Vertreter*innen anderer Gruppen. Bislang wurde keine politische Lösung gefunden, um die Gewalt dauerhaft zu beenden. Zwei Parteien, die oft miteinander verhandeln, sind Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und die israelische Regierung.

2003 war die USA, die EU und Russland bei Verhandlungen mit dabei. Dabei wurde die "Die Road Map" geschrieben. Road Map heißt auf Deutsch "Straßenkarte". Die Karte beschreibt, wie eine eigener Staat Palästina gegründet werden kann. Diese Karte orientiert sich an den Grenzen der UN-Resolution von 1947.

Andere wichtige Staaten, die in der Vergangenheit in Friedensprozessen vermittelten, sind Jordanien und Ägypten.

In der Gesellschaft:

Es gibt viele Organisationen, die sich dafür einsetzen,  Israelis und Palästinenser*innen sich zusammen an einen Tisch setzen und reden. Es wird zum Beispiel versucht Gespräche zwischen Palästinenser*innen und Israel*innen in den besetzten Gebieten zu ermöglichen. So sollen Begegnungen zwischen den Gruppen stattfinden. Dadurch sollen Brücken zwischen den Gruppen gebaut werden, um Freundschaft zu fördern, und Ärger, Wut, Angst und Enttäuschung kleiner zu machen.

Die Ausstellung Peace Counts berichtet von solchen Projekten.

Wie kann eine friedliche Zukunft aussehen?

Es gibt verschiedene Ideen, wie Frieden im Nahost Konflikt möglich sein könnte:

1. Es gibt eine Zwei-Staaten-Lösung: Das bedeutet, dass es einen Staat Israel und einen Staat Palästina gibt. Bis jetzt gibt es noch keine Lösung, wie die Grenze genau verlaufen soll. Gestritten wird darüber, wie die Grenze in der Stadt Jerusalem verlaufen soll.

2.  Eine Ein-Staaten-Lösung: Es gibt ein gemeinsames Land, das aus den Gebieten Westjordanland, Gazastreien und dem heutigen Israel besteht. Alle Menschen haben in diesem Land die gleichen Rechte. Das heißt: alle Jüd*innen und alle Araber*innen werden gleich behandelt.

3. Eine Drei-Staaten-Lösung: Jordanien könnte die Kontrolle für das Westjordanland übernehmen. Ägypten könnte die Kontrolle des Gazastreifens bekommen.

Für keine der drei Lösungen stimmen bislang alle Beteiligten zu.

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